Wir sind nicht unsere Gedanken

| 27. April 2012 | 1 Comment

Vor kurzem im Urlaub: die Sonne scheint, im Kopf ist Ruhe. Man genießt Landschaft, das Essen und die Begegnungen. Dann: ein Anruf aus der „Heimat“: etwas ist schief gelaufen im Job. Man muss etwas klären. Sofort rennen die Gedanken: „Habe ich etwas falsch gemacht?“, „Woran hat es gelegen. Haben andere etwas falsch gemacht?“, „Der Kunde ist garantiert nicht erfreut über diese Verzögerung und das Problem.“, „Was muss ich jetzt alles machen, um die Situation wieder zu retten“.

Der Verstand arbeitet, seine Lieblingsbeschäftigung: Probleme wälzen und (häufig auch) lösen. Die Evolution hat uns mit dem Verstand ein ziemlich ambivalentes System geschenkt. Natürlich ist es unglaublich hilfreich, dass wir als Menschen in der Lage sind, komplexe Themen zu verstehen und zu lösen. Andererseits schafft es der Verstand mehr als häufig uns komplett aus der Ruhe zu bringen und unsere Gedanken stunden- oder sogar tagelang zu beschäftigen. Jetzt werden die Probleme eher gewälzt, als gelöst. Der Körper fühlt sich dabei ebenfalls gestresst. Verspannungen, hoher Blutdruck, flache Atmung und allgemeines Stressgefühl treten auf.

In derartigen Situationen wäre es so wichtig, wenn wir wieder einen klaren Kopf bekommen könnten. Wenn wir wieder in der Lage wären, effizient und fokussiert das Problem anzugehen und dann wieder loslassen zu können von den vielen Gedanken, Gefühlen und der Verspannung des Körpers. Tatsächlich ist es ja so, dass wir es schaffen können, uns von unseren eigenen Gedanken zu distanzieren. Menschen mit intensiver Meditationspraxis wissen, dass ihnen der „Blick von oben“ auf die eigenen Gedanken immer besser gelingt und der Stress sich dadurch reduziert.

Der erste Schritt ist sicherlich die Erkenntnis, dass wir nicht nur aus unseren Gedanken bestehen, sondern dass wir in der Lage sind, eine weitere Instanz im Gehirn zu aktivieren. In der Psychologie wird er auch der „innere Beobachter“ genannt. Die Schwierigkeit liegt allerdings darin, den inneren Beobachter in stressigen Situationen, wie eingangs beschrieben, zu aktivieren. Oder anders formuliert: sich überhaupt erst einmal wieder daran zu erinnern, dass man in der Lage ist, seine eigenen Gedanken aus der Distanz zu beobachten und sie kommen und vor allem: wieder gehen zu sehen.

Meditation und Achtsamkeit sind unser Ausweg aus dem Stress

Meditieren und achtsames Leben können das Leben erheblich bereichern

Diese Fähigkeit kann man durch regelmäßige Meditation oder die Anwendung von Achtsamkeitstechniken entwickeln. Wenn man sich täglich einmal – zumindest für eine kurze Zeit hinsetzt – und beobachtet, wie die Gedanken kommen und gehen, ohne sich auf sie einzulassen, wird merken: es funktioniert. Auch noch so bohrende Gedanken tauchen zwar auf, verschwinden aber auch wieder (jedenfalls mit der Zeit). Wenn dann das nächste Mal wieder der Alltagsstress lauert, erinnert man sich an seine letzte Meditation und gewinnt wieder etwas Abstand zu den eigenen Gedanken und zur Situation.

 

 

 

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Category: Achtsamkeit, Meditation

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Comments (1)

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  1. Liebe Vera,
    das ist wirklich ein schöner Beitrag. Ich habe deinen Blog gerade erst entdeckt. Ich hoffe du hast dir deinen Urlaub durch das Arbeitsproblem nicht vermiesen lassen. Ich versuche mich von der Arbeit immer komplett abzuschotten wenn ich im Urlaub bin :) Es ist manchmal wirklich unglaublich welche Macht Gedanken über uns haben. Und es ist wirklich nicht gut immer alles nur immer und immer wieder zu durchdenken. In letzter Zeit ist es mir auch öfters gelungen meine Gedanken zu beobachten und ich musste dabei oft lachen und hab mich gewundert was da alles für ein Mist passiert. Es ist wirklich eine Herausforderung an der Rest unseres “Ichs” abseits von den Gedanken zu gelangen.
    Viele Grüße!! Chrissy

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